Sunday, 23 January 2011

Rough and ready

23. Januar 2011

Heute will ich von Uncle Charles erzaehlen. Er kommt dreimal die Woche in unseren Garten in Rocklands um Unkraut zu jaehten. Vielleicht macht er auch noch andere Sachen, aber ich hab ihn bisher immer nur beim Unkraut gesehen. Er sieht selbst ein bisschen wie eines aus und das meine ich gar nicht negativ. Er ist 67 Jahre alt, bewegt sich äusserst langsam durch den Garten, hat anders als viele Coloureds noch seine oberen Schneidezähne (viele Coloureds lassen sich die oberen Vorderzähne entfernen. Als ich danach fragte sagte man mir, dass das so Mode sei.), löchriges T-Shirt und meist einen Stoppelbart. Er ist wirklich eine urige Gestalt, anders kann man das nicht sagen.

Fuer uns seltsame Mode unter den Coloureds

na, waehr das nicht was fuer Twilight-Fans? ;)
Heute hatte ich mal die Chance mich mit ihm zu unterhalten und es war wirklich sehr interessant was er alles zu erzählen hatte. Er arbeitete als Koch auf Frachtschiffen. Sein Leben lang, seit er 15 Jahre alt war. Er hat nur einmal auf dem Festland einen Job angenommen und da hat er genau 3 Stunden gearbeitet. Er konnte das eingesperrt sein nicht ertragen hat er gesagt. Aber ich nehme auch an, dass die Arbeitsbedingungen in Südafrika vor ein paar Jahrzehnten um einiges härter waren. Er sagte man musste um Erlaubnis fragen um aufs Klo zu gehen und das hat ihn genervt. Also hat er nach 3 Stunden seine Jacke genommen und ist abgezogen. „Das ist doch kein Leben!“

Er hat also als Schiffskoch gearbeitet und konnte so einiges über die Welt erzählen. An Deutschland hat ihn am meisten der Bierpreis geschockt. Er sagte für einen Liter musste man umgerechnet 90 Rand bezahlen. Dafür war das Bier aber auch ganz schön stark sagt er. Becks-Bier mochte er am liebsten. Aber sehr toll fand er die Sauberkeit in good old Germany. Er meinte dass es in Deutschland keine kaputten oder schäbigen Häuser gibt. „These guys take care of their country!“ Anders als in Südafrika, wo aber auch über die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt. Interessant über die Deutschen fand er auch, „dass die fast nichts frühstücken“. Ich fragte ihn, was er damit meint „fast nichts“. „Naja...“ sagt er „die essen nur ein bisschen Brot oder Semmeln mit Marmelade oder Schinken und Käse. Mehr nicht“ Da musst ich ganz schön lachen. :D

Uncle Charles im Garten
Er hat mir erzählt wie gut die Amerikaner bezahlt haben (800 Dollar) um Fracht nach Vietnam während des Krieges zu bekommen. Einmal sagt er ist ihnen ein Container mit einem grünen Kreuz aufgegangen und drin waren nicht wie erwartet Medikamente sondern lauter Munition. Von den Amerikanern hält er ansonsten nicht sehr viel. Er sagte er mochte sie auf dem Schiff nicht besonders, weil sie sich aufgeführt haben „als seien sie die Könige der Welt“. Ausserdem kann er nicht verstehen, warum die amerikanischen Städte so dreckig sind. In Südafrika könne man das ja verstehen, aber Amerika sei doch reich und hat trotzdem so viel Dreck. Tjo....

Und seine Devise als Koch lautete, dass du „rough and ready“ sein musst. Rough (rau, grob, abgehärtet) um das harte Seemannsleben durchzustehen und ready (fertig, bereit) weil hungernde Seemänner ziemlich ungemütlich werden können. Da musste das Essen pünktlich auf dem Tisch stehen und die Mannschaft pünktlich zum Essen erscheinen. Da wurde nicht rumgeseindld. Disziplin und Routine war angesagt, sagt er. 
Noch heute steht er jeden Morgen um 4:00 auf und schaut sich den Sonnenaufgang an. Auch wenn er heute kein Frühstück für die Crew bereiten muss, so wacht er doch jeden Morgen um diese Zeit auf.

Obwohl Uncle Charles heute im Garten sehr gemächlich arbeitet und gerne mal ein Schwätzchen hält sehe ich ihn sehr gerne hier im Garten. Hier geht es nicht um Effizienz. Er bekommt kein Geld für seine Arbeit, nur ab und an ein bisschen Kompost und Hilfe wenn er die braucht. Gestern habe ich ihm z.B. ein paar Seiten aus einem Buch kopiert. Wie gesagt er macht die Arbeit freiwillig und ich glaube ihm geht es genau wie Uncle George: Beide sind alte Männer die einfach nur gerne was zu tun haben. Verantwortung übernehmen und trotzdem nicht alleine verpflichtet sein den Garten in Schwung zu halten.
Theo meinte SEED hat sich diese Jahr zum Ziel gemacht, die Communitymembers mehr in den Garten mit einzubeziehen. Leute wie Uncle George und Uncle Charles die zuverlässig auf der Matte stehen, gemächlich aber doch ein wenig arbeiten sind es auch genau die einem solchen Garten Leben einhauchen. Sie sind gerne im Garten und deshalb kommen sie auch wieder. Wie gesagt, ich glaube nicht dass es um Effizienz geht. Im eigenen Garten geht es ja auch nicht um Effizienz.
Aber ich habe eine Weile gebraucht um das zu verstehen, denn ich glaube ich bin von meiner Ausbildung im Staudengarten und meiner gesamten Kultur einfach auf ein anderes Ideal hingetrimmt worden. Hier muss ich erkennen, dass ich damit nichts erreiche, weil es gar nicht wahrgenommen wird.

Ein Beispiel: Uncle Charles arbeitet jetzt schon eine Weile hier, ich habe ihm auch schon erzählt dass ich aus Deutschland bin und dass er mich bei Gartenthemen gerne fragen kann aber er hat das gar nicht recht zur Kenntnis genommen. Erst heute als ich mir die Zeit genommen habe und über eine Stunde mit ihm geredet habe, ihn befragt habe, hat er mich zur Kenntnis genommen und gestrahlt.
Etwas ähnliches ist mir erst heute mit unserem Maler passiert (wir bekommen gerade neue Möbel und alles wird neu gestrichen). Auch er hat mich bisher nicht wirklich zur Kenntnis genommen, aber als ich ihm heute Morgen einen Tee gemacht hab, hat er gestrahlt. Ich hab mich noch ein bisschen zu ihm gesetzt, hab ihm Kekse serviert und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Es war nett und ungezwungen und plötzlich bietet er mir aus dem nichts an, dass er nächste Woche mal Curry für die ganze Mannschaft im Haus kocht. Sagt selbst, hat euch das schon mal ein Maler in Deutschland angeboten?


Ich entdecke immer noch viel neues im Umgang mit den Menschen hier. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben, denn es ist ja nicht mal so, dass es hier nur eine Kultur zu entdecken gibt. Und alle sind sie etwas anders, Xhosa, Weisse, Coloureds, ganz zu Schweigen von den Kenianern, Kongolesen, Tansaniern usw. usw.
Wie gesagt: Es gibt viel zu entdecken!

Monday, 17 January 2011

Tsotsi - Sonntagsabenteur

Diese Wochenende ist etwas passiert, was fuer mich immer noch ziemlich ungewoehnlich ist. 
Samstag Nachmittag kam ein Typ mit Gartengeraeten an unseren Zaun und hat nach Arbeit gefragt. Das ist nichts ungewoehnliches hier. Fast jede Woche fraegt mich jemand ob ich ihn nicht einstellen koennte zum Putzen oder so. Da wir von der Hausverwaltung aber schon einen Gaertner (jaja, Eulen nach Athen und Wasser in die Isar getragen) und eine Putzfrau gestellt bekommen, brauchen wir keine weitere Hilfe. 
Dieser Typ stand also vor der Tuer und hat nach Arbeit gefragt. Sehr hoeflich aber er sah schon ein wenig runtergekommen aus. Er hat dann (wie ueblich) seine Geschichte erzaehlt, dass seine Tochter nen Herzfehler hat und er Geld braucht, aber er dafuer arbeiten will. Das ist ja alles ganz vorbildlich, aber wir haben halt trotzdem niemanden gebraucht. Meine Mitbewohnerin hat ihm den Umstand erklaert, dass wir ne Hausverwaltung haben und die vielleicht nen Job fuer ihn haben und damit hat er sich zufrieden gegeben und ist abgezogen. 


Sonntag dann kam ein Gaertner. Wir haben uns nicht viel dabei gedacht, weil niemand von uns unseren Gaertner kennt. Die domestic workers, wie sie hier genannt werden, sollen auch weitgehend "unsichtbar" sein, was unserem Gaertner bisher sehr gut gelungen ist. Der Umstand dass er unseren Hausbaum nie zurueckschneidet, obwohl seine dornigen Aeste den Weg versperren laesst mich zwar manchmal zweifel ob es ihn ueberhaupt gibt, aber das ist eine andere Geschichte.
Der Gaertner hat also seine Arbeit aufgenommen und gefragt ob er den Baum zurueckschneiden kann usw. und erst als er sagt er haette keinen Schluessel sind wir misstrauisch geworden. Also hab ich mir den Typen nochmal angesehen und es war der Typ von gestern. Oh sh...

Was jetzt? Er meinte zwar wir braeuchten ihn nicht zu bezahlen, das taete die River View Lodge (Hausverwaltung) aber irgendwie kam es uns doch spanisch vor. Also sind wir zur River View Lodge gestiefelt und haben gefragt ob sie dem Typen wirklich Arbeit gegeben haben. Die Dame vor Ort, eine big mama wie im Bilderbuch hat erst ganz vorsichtig gefragt "Wo ist der Mann jetzt?" und als wir ihr sagten dass er im Hinterhof arbeite ist sie richtig aufgeregt geworden und wollte sofort die Polizei anrufen. Wir konnten sie dann dazu uebereden das noch nicht zu machen, weil er ja tatsaechlich arbeite und sehr freundlich ist. 
Da hat sie die Managerin angerufen, die nur wenige Minuten spaeter mit ihrem Bakkie (Pick up) angerauscht kam, uns einlud und dann wie ein Berserker zum Haus gefahren ist. 


Dort hat sie dann den Mann (freundlich) zur Rede gestellt, wer ihn eingestellt haette und so. Er sagt dann einen Namen woraufhin sie jemanden angerufen hat um das zu checken, aber eine solche Person existierte nicht. Sie war noch sehr freundlich und hat ihn dann nach draussen begleitet. Kaum war er vor der Tuer hat sie seinen Namen und seine Kontaktdaten aufgeschrieben und dann wurde ein deutlich rauerer Ton angeschlagen. Sie hat ihm zu verstehen gegeben, dass sie noch nicht die Polizei kontaktieren wird, aber wenn er je wieder bei uns klingelt krachts. Tatsaechlich hat sie nicht gesagt, dass sie dann die Polizei ruft, nein, sie wird ihn selbst zur Strecke bringen und ihn krankenhausreif vermoebeln. "Und ich find dich, verlass dich drauf und dann mach ich dich kalt."

Puh, da ist er dann irgendwann abgezogen und klick, da war unsere Managerin wieder sehr freundlich und hat uns erklaert, dass sie in seiner Sprache sprechen musste, damit er es auch versteht und ernst nimmt. Sie sagt man nenne diese Leute Tsotsi (etwa wie Gauner) und wir sollten never ever einem von ihnen auf machen, egal welche herzerweichende Story er erzaehlt. Sie koennen dich ausrauben, dich verletzten, ja sogar toeten. Man denke nur an die Gartenwerkzeuge die er dabei hatte. Und es war doch immer der Gaertner!
Manchmal versuchen sie auch nur ins Haus zu kommen um auszuspionieren was und wie man sich das holen kann, dann kommt er mit seinen Kumpels wieder und raeumt die Bude aus. 


Fuer mich beginnt langsam eine Realitaet in mir zu reifen. Egal fuer wie gutmuetig ich mich halte, wie freundlich und verstaendig ich mich auch immer geben moechte, diesen Obdachlosen in Obz gegenueber sollte ich vielleicht einen anderen Ton anschlagen. Ich habe immer mehr das Gefuehl, dass sie mich alle anluegen sich traurige Geschichten ausdenken um mein Mitgefuehl zu wecken und am Ende wollen sie alle nur Geld. Und ich bin dessen muede. Wenn ich alleine zum Einkaufen gehe werde ich auf meinem Weg mindestens einmal angebettelt und es nervt mich tierisch. Alle wollen sie Geld. Das Geld hilft ihnen aber nicht und veraendert ihr Leben nicht nachhaltig denn sie haben keinen Plan fuer ihr Leben. Sie werden auf der Strasse bleiben und das nicht, weil ich ihnen kein Geld gegeben habe, sondern weil sie sich selbst aufgegeben haben.

Saturday, 15 January 2011

Nach den Ferien

15. Januar 2011

Hallo zusammen

Da bin ich wieder nach den Sommerferien und einer unfreiwilligen Schreibpause weil mein Laptop sich nicht anschalten ließ. Aber dank Dell und ihrem technischen Support in Südafrika bin ich wieder da. Auch wenn niemand von Dell das lesen wird, so sage ich trotzdem dickes Danke für die schnelle und freundliche Bearbeitung. Was'n Glück dass wir in einer globalisierten Welt leben.

Meine Zeit mit Christoph war wunderschön und es war toll ihm all das und mehr von dem zu zeigen, was hier so meinen Alltag ausmacht. Und mit Auto, das wir uns während seines Aufenthalts gemietet haben, kommt man einfach viel schneller rum. Ja, diese Mobilitätsgeschichte hat mich ein bisschen nachdenklich gestimmt. In den letzten drei Monaten war ich autolos und bin auch irgendwie zurechtgekommen. Erst als ich ein Auto hatte ist mir aufgefallen, wieviel ich verpasse, wieviel mir nicht oder nur schwer zugänglich ist hier. Ein öffentliches Transportsystem wie in Europa gibt es eigentlich nicht und bislang bin ich nur da hingekommen wo ein Minibus hinfährt. Große Lasten konnte ich auch nie transportieren, eben immer nur so viel wie ich selbst tragen kann.
Und so wie mir geht es den meisten Südafrikanern. Alle die in den sogenannten townships leben und kein Auto haben sind genauso dran wie ich. Sie werden nie die unglaublichen Wälder von Newlands sehen, nie in ihren Nationalparks wandern, oder den Chapman's Peak Drive bei Sonnenuntergang sehen. Sie verlassen kaum ihre Umgebung und wissen wahrscheinlich gar nicht so recht was für ein tolles und unglaublich schönes Land sie eigentlich haben. 



In unserem Urlaub ist mir auch ganz stark, viel stärker als in den letzten drei Monaten, die Trennung zwischen Schwarz und Weiß aufgefallen. (Ich zähle die Coloureds jetzt mal auch großzügig zu den Schwarzen obwohl die sich untereinander auch nicht so ganz grün sind. Es ist echt schwer aus dem allem hier schlau zu werden)
Durch unser Auto zählten Christoph und ich ganz plötzlich zu den Privilegierten und wurden ganz schön aggressiv um Geld angebettelt. Ja nicht nur das! Einige waren sogar pampig wenn wir ihnen ihrer Meinung nach nicht genug gaben. Das ist mir in meiner autolosen Zeit nie passiert. Ganz plötzlich hatten wir eine andere Welt betreten. Von nun an wurden wir als Weiße wahrgenommen. Und wir bewegten uns auch in Gegenden wo ausschließlich Weiße unterwegs waren. Schwarze waren, wenn überhaupt nur als Arbeiter sichtbar. Ich habe die Offenheit vermisst mit der mir die Schwarzen und Coloureds bei meiner Arbeit begegnen. Ich bin immer noch der gleiche Mensch, aber auf einmal hatten die Schwarzen Vorurteile über mich, nämlich dass ich Geld hätte.


Ich und mein Defender! Auf dem Campingplatz tummelten sich nur Weisse

Über Weihnachten und Silvester war Kapstadt regelrecht überlaufen von Touristen und die Eintrittspreise bei so manchen Attraktionen sind einfach mal angehoben worden. Kein Wunder, den schon kurz nach Neujahr wurde der Menschenstrom deutlich geringer. Jetzt hat sich die Lage wieder entspannt, will sagen normalisiert, oder ich bekomme einfach wieder nicht so viel von all dem mit, weil ich mich wieder mehr in den Townships und Obz aufhalte als in der City.

Das Beste am Urlaub!

In der Arbeit läuft langsam auch wieder sowas ähnliches wie Alltag an. Alle kommen mir noch ein wenig müde und lustlos vor, aber es wird besser. In dieser Woche arbeiten alle in Rocklands im Garten und bringen ihn wieder auf Vordermann. Die anderen sagen mir, dass der Garten nach den Ferien nie besser aussah. Das läge wohl daran, dass wir dieses Jahr einen älteren Herrn aus der Community engagiert hatten, der den Garten jeden Tag gegossen hat. Und wirklich, es grünt überall üppig und man kann einfach sehen, dass jeden Tag gewässert wurde. Tjo, aber wie das so ist, geht’s eben nicht nur dem Gemüse super, sondern auch dem Unkraut und so bin ich schon die ganze Woche am Unkrautjäten. Außerdem habe ich angeregt doch mal einen Komposthaufen anzulegen um die Unkräuter auch irgendwie zu verwerten und jetzt werden emsig die „Zutaten“ für die Kompostmiete zusammengetragen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass SEED zwischendrin einfach nur so einen kleinen Impuls braucht, dann läufts wieder flüssiger. Wie gesagt, meine Kollegen machen noch einen recht erschöpften Eindruck und dabei haben wir die normale Arbeit an den Schulen noch gar nicht aufgenommen.

Die SAGE Net Freiwilligen Nadine und Moni packen auch 2011 wieder mit an!

Sunday, 19 December 2010

Noch ein paar Bilder...

Hallo ihr Lieben

Hier noch ein paar Bilder fuer euch, die ich in den ersten Monaten meines Freiwilligenjahres geschossen habe. Viel Spass damit und auch weiterhin mit dem blog.

 Meine Heimat auf Zeit: Die Kapregion mit seinen Bergen, dem Meer aus Haeusern, Huetten und dem richtigen Meer. Im Hintergrund seht ihr Signal Hill, Devils Peak und Tafelberg (v.r.). Und den Ort fuer schnelle Erholung, die False Bay mit ihren endlosen weissen Straenden
 
 Hier gibt es allerhand Menschen und ab und an auch so manche Wildtiere. Der Pavian, Baboon genannt, gehoert eigentlich zu den Tieren, denene man nicht so gerne begegnet, weil sie dafuer bekannt sind, dass sie Menschen gerne mal ueberfalle und um Essen erleichtern. Aber wie immer, gibt es natuerlich auch ausnahmen. 

 Hier arbeite ich mit ein paar Menschen und viel Kreativitaet daran, dass es in vielen Schulen Gaerten gibt. Dabei dient uns vieles als Baumaterial. Autoreifen eignen sich zB hervorragend um darin Bohnen und Kuerbisse anzubauen.

 Leider ist es um die Fruchtbarkeit in den Cape Flats schlecht bestellt. Hier wird sprichwoertlich auf Sand gebaut. Daher werden manche Gemuesebeete tief ausgehoben und mit organischem Material aufgefuellt, noch ne Schicht Sand drauf und bepflanzen. 
 
Aber natuerlich gehts auch um die Kinder, sie sehr wissbegierig sind und schon sehr stolz, wenn sie einen Topf in der Erde versenken. 

 Viele der Kinder leben so. Ein Haesermeer soweit das Auge reicht. Natur? Fehlanzeige! Entwicklung und ganz besonders Siedlungsbau heisst in Suedafrika, dass die Natur erstmal komplett platt gemacht wird und dann die Haeuser dicht an dicht gebaut werden, damit man ja viele Menschen unterbringt. 

 Haeuser und Shacks, also Wellblechhuetten stehen nebeneinander. Da viele Haeuser keine Toiletten haben stehen hier und da auch mal ein Dixiklo, dass man sich dann mit seinen Nachbarn teilt. Keine sehr tollen Zukunftsaussichten, wenn man hier geboren ist?...

 Hinzu kommen Krankheiten wie HIV und Tuberkulose, die hier oft versteckt Schicksale bestimmen. Da viele nicht einmal wissen, ob sie sich schon angesteckt haben findet man bei manchen Veranstaltungen, wie hier auf dem Kite Festival, "Beratungsstellen" die aufklaeren und zum Test ermutigen. 

 Ansonsten gibt es hier auch so etwas aehnliches wie einen Alltag. Das hier sind die Drei von der Tankstelle, da hier niemand selbst tankt. Das erledigen ein paar Jungs, die manchmal sogar dein Fenster waschen, waehrend das Benzin in deinen Tank gluckert. 


 Neben Gartenarbeit meistern wir Volunteers bei SEED auch so manch andere Kreative Aufgabe. Hier Nadine beim malen des Banners fuer den Community Market. 

Ende des Jahres gibts Matrik, also Abschluss fuer manche der Kids aus der Highschool. Da wird dann mit Mehl geworfen, rette sich wer kann. Auf dem Bild auch schoen zu sehen: Schulen sind hier oftmals Festungen mit Tor und Stacheldraht. 


 Leider muessen wir uns ab und an auch von geliebten Mitarbeitern trennen, wie hier von Steffi aus USA, deren Zeit bei SEED leider viel zu frueh zu ende ging. Wir haben sie Blumen, Karte und ner Riesenpackung Erdnussbutter-Riegel verabschiedet. *schnueff* 

Und wieder hoch! Wieder ein schoenes Bild von meiner Heimat auf Zeit. Die Farben, die Berge und das Meer von Simonstown. Da wo die Pinguine Wohnen. Bei solch schoener Natur geht einem das Herz auf kann ich euch sagen!

Bleibt nur zu sagen: 
Danke an alle in Suedafrika, die mich hier so warmherzig aufgenommen haben. 
Danke fuer die vielen tollen Erfahrungen.
Danke an alle zuhause, die so fleissig mitlesen. 
Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Wir sehen uns wieder in 2011!

Endlich Sommerferien

15. Dezember

Ja, es klingt komisch, diesen Sonntag ist vierter Advent und hier beginnen die Sommerferien. Stellt euch das nur mal vor! Weihnachten ist hier keine Zeit wo man sich ins warme Haus und in sich selbst zurückzieht um Kraft zu tanken, hier legt man sich an den Strand oder geht Wandern. Ich muss zwar sagen, dass es dank des Windes nicht unerträglich heiß ist aber irgendwie besinnlich ist es auch nicht gerade.

Das Schuljahr endet hier mit dem Kalenderjahr und so sitzen wir bei SEED gerade noch die letzten Tage ab, bevor es auch für uns heißt „Ab in den Urlaub!“. Es wird noch so ein bisschen im Büro herumgegruschelt, aber im Grunde is Feierabend. Die Tage haben wir einen Reifen zum reparieren gebracht. Leider habe ich keine Bilder von dem Schuppen, aber es war wieder so richtig aufregend afrikanisch. Der Laden war ein mit Wellblech abgedeckter Bereich in dem viele Reifen lagerten, alte Teppiche aus Autos bildeten den Fussboden. In unserem Reifen steckte eine Schraube die erstmal fachmännisch mit einem Schraubenzieher entfernt wurde. Dann wurde ein Gummistück so groß und lang wie ein Bleistift auf sowas wie eine Nadel aufgefädelt und ganz tief in das Loch gezwängt. Nadel raus, aufpumpen, in einer Badewanne mit Seifenwasser abwaschen und nach weiteren Löchern suchen, fertig. Das Gummiteil schaute noch nen cm raus, aber das fährt sich weg, war die lapidare Antwort die man uns gab. Macht dann 20 Rand (ca. 2€). Tjo, so geht das in Mitchell's Plain.

Vor ein paar Wochen haben wir mit ein paar Community-Members Orangenmarmelade gemacht. Die Idee ist, dass die Leute in Zukunft selbst Marmelade herstellen, die sie dann verkaufen können. 

Theos Kochstudio, alias SEED-Office

Sehr witzig fand ich, dass die Maenner im Kurs sich eher fuer cash, also den wirtschaftlichen Aspekt der Marmeladenherstellung interessierten (Kosten, Vermarktung, Gewinn usw.) waehrend die Damen sich eher fuer guten Geschmack und weitere Marmeladen-Rezepte fuer sich und ihre Lieben begeisterten.

Man ist nie zu alt zum Lernen

Für mich ist es erstaunlich, dass die Leute nicht wissen, wie man Marmelade macht. Andererseits, wie kommt es, dass so viele Menschen in meiner Heimat wissen, wie es geht? Woher haben wir das wissen? Und das obwohl wir noch nicht mal Geld damit machen?
Neben dem Herstellen der Marmelade haben wir auch eine kleine Wirtschaftlichkeitsrechnung gemacht, damit sie auch wissen, für wieviel Geld sie die Marmelade verkaufen müssen um Gewinn zu machen. Auch dieses Wissen, Unternehmerisches Grundwissen, ist den meisten wohl sehr fremd. Ich frage mich woher das kommt. Oder mal wieder, wie es kommt, dass viele Deutsche das ganz selbstverständlich zu haben scheinen?
Und ist es dieses Wissen, das die Menschen hier brauchen um sich selbst zu helfen?

Gestern waren Yoli und ich bei einem Jungen in Guguletu, den wir mit Gartenutensilien versorgt haben. Er ist Schüler an einer „unserer“ Schulen und hat sich zuhause einen kleinen Garten, nicht größer als ein kleines Zimmer, aufgebaut. Es war für mich richtig toll mal ein Haus im Township zu besuchen. Es war ein gemauertes Haus, aber man konnte sehen, dass sehr oft und mit allen möglichen Materialien angebaut wurde. Im Haus waren viele Kinder und Frauen versammelt. Deshalb auch der Anbau. 

Nachwuchsgaertner in Gugs?

Trotzdem hat dieser Junge es geschafft in diesem klitzekleinen Hinterhof eine grüne Oase zu schaffen. Zugegeben noch sehr rudimentär und ohne Permakultur, aber immerhin. Wir haben ihm also Gemüsesämlinge, Erdbeerpflanzen (immer sehr begehrt), ein paar Sträucher, Kompost und Mulch mitgebracht. Über die Ferien darf er sich die Gießkanne von uns ausleihen. Seine Mama war auch da und stolz wie Oskar, dass ihr Junge sich lieber um den Garten kümmert, als auf der Straße rumzuhängen und Mist zu machen, wie sie sagt. Sie war so dankbar für die Materialien dass sie uns Geld dafür gegeben hat. Sie sagte, wir dürfen das Geld nicht ablehnen, weil es ihr Herzenswunsch ist uns zu danken. Sie hat das in Englisch gesagt, damit ich es auch verstehen kann. Ansonsten wurde nämlich nur Xhosa gesprochen. Ich finde das sehr aufmerksam und respektvoll. 

Minigarten in Guguletu
Yoli beim Erklaeren

Ich  bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass diese Menschen einfach unglaublich schwer Zugang zu den Materialien haben und es für sie eine große Sache ist, wenn ihnen jemand etwas davon bringt. Sie wissen einfach nicht, wo sie Kompost herbekommen sollen und ohne wächst auf dem Sand halt nix. Und eine „Baumarktflut“ wie man sie zuweilen in Bayern feststellt gibt es hier nicht.

Das war nochmal ein schönes Erlebnis vor den Ferien.
Eine andere Sache die ich sehr schön finde zur Zeit ist die Vorfreude auf Christoph, der am Sonntag kommt. Viele Leute wollen ihn kennenlernen. Ihn, diesen unglaublichen Typen, der seine Frau für ein Jahr gehen hat lassen, damit sie jetzt hier sein kann und den Leuten hier mithilft. Sie fragen sich bestimmt was für ein Mensch das ist. Vor allem der Direktor von Rocklands ist sehr neugierig auf Christoph, aber er wird ihn wohl (erstmal) nicht kennenlernen, da ja Ferien sind. Auch meine Kollegen sind sehr (angenehm) neugierig und Theo wird Christoph sogar mit mir vom Flughafen abholen. Ich finde es toll wie warm und herzlich diese Menschen hier neue Erfahrungen begrüßen. Die Grundeinstellung gegenüber Fremden ist positiv, nicht misstrauisch. Eine tolle Eigenschaft.      

Monday, 6 December 2010

Dichtes Leben

4. Dezember

Wow, schon Dezember. Die Zeit fliegt für mich. Kein Wunder, bei  all den Dingen die hier passieren. Das war auch der Grund, warum ich gerade etwas strauchle mit der regelmäßigen Berichterstattung vom südlichen Ende (oder Anfang) der Welt. Ich versuche mal etwas zusammenzufassen, was hier gerade passiert und was mich so beschäftigt. Alltag ist derzeit übrigens Fehlanzeige. Wie gesagt, ich komm mit nichts hinterher und wenn meine fürsorglichen Mitbewohner nicht wären würde ich wahrscheinlich nur noch Toast mit Erdnussbutter und Marmelade essen.

Beginnen wir mit dem National Workshop von SEED. Der fand dieses Jahr auf der Permakultur Farm Berg-en-Dal (ihr habt es schon erraten, das ist Afrikaans für „Berg und Tal“) in der Klein Karoo statt. Auf dem Workshop, zu dem alle SEED Mitarbeiter aus ganz Südafrika angereist waren, sollten Teamgeist gestärkt, Stärken und Schwächen von SEED erkannt und besprochen und die Ziele für das kommende Jahr festgelegt werden. Wir Freiwilligen, also Nadine, Valerie und ich durften zum Workshop als „kitchenslaves“ (Küchensklave) bzw. „kitchenfairies“ (Küchenfee). Will heißen wir haben die vier Tage für die gesamte Mannschaft gekocht und hatten daher wenig Zeit den Vorträgen und Aktivitäten der anderen beizuwohnen. Naja, wir sind halt die Freiwilligen und keine richtigen Angestellten von SEED. 

Berg en Dal ... irgendwo im Nirgendwo
Nichts desto trotz war es eine grandios Erfahrung, da die Farm sprichwörtlich irgendwo im Nirgendwo war.
Das Leitungswasser kam aus dem Fluss und war nur zum Waschen geeignet. Trinkwasser kam aus großen Wassertanks, die mit Regenwasser gefüllt waren.
Strom gab es nur, wenn die Photovoltaikanlage genug produziert hatte und die Autobatterien voll waren.
Kühlschrank: Fehlanzeige
Toilette: Komposttoilette wo jedes Geschäft mit einer Hand Sägespäne besiegelt wird
Handyempfang: spärlich
Wilde Tiere: einige, auch mal giftige Baum-Schlangen im Garten und Mäuse in der Küche
Ruhe: reichlich
Nette Menschen: Zu Hauf
Essen: ausschließlich Vegetarisch aber saugut
Landschaft: Karg aber grandios. Wüste eben
Unterkunft: Zelt
Nächte: eisig
Tage: heiß  

Unser morgentlicher Weg zum Haupthaus
Kompostklo (links) und Outdoor-Bad (rechts)
Dornen ueberall

Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was ich alles Erlebt habe dort. Es war einfach eine Erfahrung, ein Gefühl das zurück bleibt. Ich kann nur sagen, es tat und tut zwischendrin ganz gut sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Scham gehört z.B. nicht dazu. Da es kein Licht gab, nirgends, und die Toiletten draußen waren mussten wir uns immer gegenseitig leuchten, damit wir auch das Loch trafen. Scham ist da völlig fehl am Platz und wir haben uns schnell davon verabschiedet. 

Yoli auf der Suche nach Handyempfang
Keim Empfang, dann halt tanzen und die anderen anfeuern
Into the wild
Wir haben eine Schule besichtigt, die nach allen Regeln der Kunst und Permakultur auf Vordermann gebracht wird. Wir haben unglaublich intelligente Taktiken gesehen um das wenige Wasser das in der Karoo vom Himmel fällt möglichst effizient zu nutzen. Es war wirklich toll eine SEED-Schule außerhalb von unseren Cape-Flats zu sehen. 

Kastenbeete mit Gemuese und Wein
Genialer Outdoor-classroom ... da will man doch wieder Schueler sein
An einem Tag haben wir dann auch so etwas wie eine Klettertour durch ein Tal mit einem kleinen Bach gemacht. An manchen Stellen musste man schwimmen um weiter zu kommen. Aber wie ich schon sagte sind die Menschen hier sehr unkompliziert, weshalb wir samt Klamotten ins Wasser gesprungen sind. Daher habe ich leider auch keine Fotos von Kloof, diesem wunderbaren Ort der noch so ganz der Natur zu gehören scheint. Ich bin barfuss über große Felsen geklettert bin mit Schuhen durch den Bach gewatet, hab mich durchs Gebüsch geschlagen, wurde von kleinen Fischen angeknabbert, bin im gleichen Wasser geschwommen wie eine Wasserschlange und habe mich auf einem Stein von der Sonne trocknen lassen. So fühlt sich Leben an!

Aloe in ihrer natuerlichen Heimat
Ganz abgesehen davon dass ich nicht weiß wo in Deutschland man so etwas erleben kann, bin ich mir fast sicher, dass die meisten Deutschen eine solche Tour als gefährlich ansehen würden. An vielen Stellen hätte man fallen können und es wäre schwer einen verletzten aus Kloof zu transportieren. Naja, wie gesagt, das wird hier alles nicht so eng sehen.

In diesen Räumen wurde die vegetarische Küche neu erfunden.
Oase in der Wueste ... der Blick aus dem Kuechenfenster
Obwohl wir Freiwilligen nicht am Workshop teilgenommen haben, habe ich unglaublich viel für mich dazugelernt. Es hat mich z.B. unglaublich beeindruckt, dass die Menschen dort kein negatives Wort verlieren. Über nichts und niemanden. Alle sind unglaublich positiv eingestellt. Es gibt keine Probleme nur Challenges (Herausforderungen) um deren Lösung man bemüht ist. Man beschwert sich nicht, sondern ist auf die Lösung des Problems, äh der Herausforderung fixiert. Es wird sehr viel gelacht und alle haben eine sehr gelassene Sicht der Welt. Wie gesagt, es gibt keine unlösbaren Probleme nur große Herausforderungen. 

Die gesamte SEED-Crew von Suedafrika
Nach Berg-en-Dal und zurück in der kapstädter Realität habe ich nach dem ersten Freudentaumel über mein Bett mit Matraze (wir mussten in Berg-en-Dal campen und 4 Nächte auf der Isomatte...langsam bin ich zu alt dafür) eine überraschende Neuigkeit mitgeteilt bekommen: Noch in diesem Jahr müssen wir aus unserem Haus ausziehen, da der Hausbesitzer es zurück will. Eigenbedarf. Da wir einen 6 Monatsvertrag haben müssen uns die Landlords (Hausverwaltung) ein neues Haus besorgen, aber das erste das man meinen Mitbewohnern gezeigt hat, war grauenhaft, wie sie selbst sagten. Naja, mal sehen wo das noch hinführt, aber so wie es aussieht muss ich am 31. Dezember umziehen. Ich hoffe das letzte mal. Also falls mir jemand Post schicken will könnte es sein, dass sie mich hier nicht mehr erreicht. Sobald ich meine neue Adresse habe schicke ich sie euch. 

Dieses Wochenende ziehe ich in ein neues Zimmer. Bevor es soweit ist, zeige ich euch noch ein Foto von meinem noch-Zimmer, das ich sehr geliebt habe. Aber auch das neue Zimmer wird toll und ich freue mich sehr auf meine neue Zimmergenossin Patricia.

Die Nacht von Freitag auf Samstag hat dann die nächste Sache geliefert, die so gar nicht nach Alltag riecht. Wir haben derzeit das Obz-Festival bei uns. Obz ist die Kurzform für Observatory, dem Stadtteil in dem wir leben. Das Festival ist ganz groß, die ganze Hauptstraße des Viertels ist abgesperrt und man kommt nur gegen Eintritt rein. Deshalb kann ich euch diesen Blogeintrag nicht so aktuell online stellen wie ich ihn geschrieben habe. Unser Internetcafe liegt im „Sperrbezirk“.
Das Festival bedeutet neben Musik, netten Ständen und Leuten natürlich auch viele Betrunkene. Alter saufen die hier viel, wie Anna sagen würde. Das ist echt nicht normal. Und die afrikanischen Männer gehen dann gerne mal sehr offensiv auf die Jagd, vorzugsweise nach weißen Mädels. Das finde ich echt unangenehm wenn sie mit ihrer Bierfahne vor mir stehen und irgendeinen Blubb von sich hinsabbeln. Wenn sie dann auch noch touchy werden, also versuchen an einem rumzufingern, hörts bei mir auf. Dann heißt es Flucht ergreifen oder sich hinter einem unserer Jungs zu verstecken. Wir Frauen sind hier echt Freiwild für so manche Männer. Aber keine Angst, ich pass auf mich auf. 

Aber zurück zu letzter Nacht. In einer Disco ist es, sehr wahrscheinlich unter Alkoholeinfluss, dann zu einer Schlägerei gekommen. Ein paar Mitbewohner von mir waren in der Disco als es losging. Im Gerangel wurde einer Mitbewohnerin die Tasche mit Handy, Kamera und Haustürschlüssel geklaut. Ein paar Minuten später, die Raufbolde haben den Streit nach draußen verlegt, kommt die Polizei in die Disco und erklärt die Party für beendet, da gerade einer der beiden Streithähne gestorben sei. Sein Gegner hat ihn mit einer zerbrochenen Bierflasche so böse verletzt, dass er auf der Straße verblutet ist. Vor unserem Internetcafe. Meine Mitbewohnerinnen haben die Leiche noch gesehen und sind entsprechend verstört nach Hause gekommen.
Am nächsten Morgen stand dann der nächste Schock an, in der gestohlenen Tasche war einer der Hausschlüssel zu unserem Noch-Domizil. Es wäre möglich, dass sogar noch das Schild mit der Adresse dranhängt. So genau wissen wir es nicht. Wir sind jedenfalls wachsam, wer gerade unser Haus betritt.

Ich kann euch sagen, manchmal fühlt es sich echt zuviel an, was hier passiert. Wie gesagt, es kommt alles Schlag auf Schlag und ich hab gar nicht so recht Zeit darüber nachzudenken. Ich weiß noch gar nicht recht ob es schlimm ist, dass der Schlüssel weg ist oder nicht. Unsere Landlords sind da gelassen und wollen nur den Schlüssel nachmachen lassen. Von Schlösser auswechseln keine Spur. Unsere afrikanischen Freunde sagen uns, dass das einfach ein Taschendieb war und der mit dem Schlüssel nichts anfangen wird, weil er nur auf das Geld scharf ist.
Um die Sache noch absurder zu machen hat Vladimir heute sogar mit dem Dieb telefoniert, über das Handy in der geklauten Tasche. Und der Dieb will die Sachen an einem Treffpunkt zurückgeben, wenn... ja, das wusste er eigentlich auch noch nicht so genau, was er dafür will. Ist das nicht verrückt?

Wie gesagt, all diese Sachen sind ganz neu passiert und wir wissen noch nicht so genau wie es weitergeht. Das Schlüsselthema ist jedenfalls spätestens am 1. Januar gegessen, wenn wir hoffentlich ein neues schönes Heim beziehen. Wer weiß wofürs gut ist, wa?

Ach, und bevor ichs vergesse: Ich habe heute, Samstag, gearbeitet auf unserem Community Market, der sehr schön war nur leider (noch) nicht so viele Leute angezogen hat. Das war auch nochmal ein ganzes Stück Arbeit, aber jetzt freue ich mich auf zwei freie Tage an denen ich erstmal ne Auszeit nehme von diesem intensiven Leben. Mal sehen, was ich mache, vielleicht Strand, vielleicht besuche ich auch endlich mal den Paulaner Biergarten in der City. Das ist schon wieder so surreal. Biergarten am 2. Advent.
Aber hey, heute hab ich mir schon mal einen Obazdn zusammengezimmert. Bin halt doch in erster Linie Exilbayerin. ;)  

Also ihr Lieben. Ich wünsche euch einen schönen Advent und denkt ab und zu an mich wenn ihr vor „unlösbaren“ Herausforderungen steht. Ich denk an euch und schick euch warme Grüße vom Kap.

Deutschland vs. South Africa

26. November

Jetzt bin ich fast zwei Monate hier und möchte nun doch etwas zum Thema „In einem anderen Land leben“ schreiben. Besonders in den letzten Tagen habe ich ganz stark bemerkt, dass meine Gedanken oft um Deutschland kreisen. Ich denke viel darüber nach, wie es wohl wäre jetzt einfach in Deutschland zu sein, ja auch wie es denn so war in Deutschland. Meine Realität sobald ich das Haus verlasse ist Südafrika. Ich komme damit denke ich ganz gut zurecht und es fühlt sich ja immer gut an, wenn man einen Ort schon ein bisschen besser kennt. Trotzdem stelle ich fest, dass „wir Deutschen Freiwilligen“ immer mehr anfangen unsere Traditionen aus Deutschland abzugrasen. Da kommt alles zur Sprache vom Adventskranz bis zu den Spätzle, die wir übrigens schon gemacht haben. Es ist sehr seltsam welch große Bedeutung jedes kleine Ding das aus Deutschland kommt und uns an unsere Heimat erinnert, Freude in uns weckt. Anna hat heute zB Marzipankartoffeln und Merci aus ihrem Schrank hervorgekramt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie gut deutsche Schokolade zu der hiesigen schmeckt. Ich glaube Schokolade hat in einem Land wie Südafrika wo es meist zu warm für Schoki ist, kaum Bedeutung.
 
Na jedenfalls sind die Marzipankartoffeln insofern ein Sensation als ich hier noch überhaupt kein Marzipan gesehen habe. Zumindest keines aus Mandeln. Marzipan hier ist aus allem möglichem gemacht nur keinen Mandeln. Der Link zu den Mandeln entsteht höchsten dadurch, dass die Zuckermasse „Almond Flavour“ (Mandel Geschmack) aufweist. Überhaupt vermisse ich hier das „echte Zeug“. Es gibt viele Lebensmittel mit Farb- und Aromastoffen, wo ich keinen Sinn darin sehe. In Fruchtsaft zB hat meiner Meinung nach künstliche Aromen nichts zu suchen. Vanille Extrakt kommt aus dem Labor und richtigen Vanillezucker, Fehlanzeige.

Zum Thema Lebensmittel folgt noch ein Eintrag, versprochen. Das ist nämlich echt seltsam, was hier an manchen Stellen abgeht. Da vermisse ich dann tatsächlich schon manchmal meine deutsche Produkte. Und die unter euch, die mich etwas besser kennen wissen, dass ich alles probiere, aber hier hab ich bei manchen Dingen echt kein Interesse angesichts der Zutatenliste.

Sobald ich von der Arbeit heimkomme ist mein Abend sehr deutsch geprägt. Klar, wir Mädels kochen recht deutsch und tun das auch gerne, weil es uns irgendwie an Deutschland erinnert. Warum wir das brauchen, bzw. wollen weiß ich nicht so genau. Aber ich möchte eigentlich in Zukunft darauf achten, dass ich alles eben nicht nur deutsch mache, denn das ist es was wir von zuhause kennen. Das sind wir gewohnt und hinterlässt ein gutes Gefühl von „richtig gemacht“ in mir. Wie es den anderen Freiwilligen damit geht, weiß ich nicht. Ich jedenfalls fühle mich gerade etwas zu wohl damit mich mit deutschen Dingen zu umgeben. Ich habe das Gefühl, dass ich mich dadurch für dieses großartige Land verschließe. Ich hoffe dass es nur eine Phase ist und bald wieder verfliegt. Aber ja, ich muss zugeben dass ich noch nie so lange weg war von zuhause. Es ist alles Neuland für mich, auch wie ich mit dieser Situation gerade fertig werde.

Mein Geburtstags-Braai mit deutschem Kartoffelsalat und Boerewors
 
Die Zeit verfliegt zwar irgendwie schnell, aber die Zeit die noch vor mir liegt erscheint mir noch sehr lange. Es gibt noch so vieles, was ich erleben kann. Daher bin ich sehr gespannt wie sich meine Wahrnehmung von Deutschland noch entwickeln wird in den nächsten Tagen und Wochen.  

Ja, ich gebe zu, manchmal machen mir südafrikanische Eigenheiten noch Angst oder nerven mich sehr. In diesen Momenten entscheide ich dann aufs neue, dass ich mich dem nicht anpassen will und ich es voll ok finde, dass ich Deutsche bin. Ob mir das mit Japan auch so gehen würde?
Da ist zB die Art wie man hier an Arbeit rangeht: Oft ohne Plan und nach dem „Schaun mer mal“ Prinzip (Winke an Uwe). Das ist zwar meist ganz witzig aber ich ertappe mich oft genug dabei wie mich diese Art um an Dinge heranzugehen auch nervt. Es lässt mich mit einem unguten Gefühl zurück, wenn ich eine Sache nicht wenigsten ein bisschen vorher durchdacht habe.
An diesem Punkt will ich mich nicht anpassen. Aber das wirft ja auch die Frage auf, ob das je mein Ziel war, bzw sein sollte. Ich will mich auf dieses Land einlassen können, aber meine Verbindung zu Deutschland ist derzeit noch so stark, dass es mir glaube ich schwer fällt. Immer noch habe ich das Gefühl, dass dies ja nur für sehr kurze Zeit meine Heimat sein wird. 


Dennoch, ich denke Heimweh fühlt sich ein wenig anders an. 

Am Kap der guten Hoffnung