Friday, 22 April 2011

Gold Bunny

Ostern steht vor der Tür. Der goldene Lindt-Hase mit dem Glöckchen, hier liebevoll „Gold-Bunny“ genannt, steht brav mit den Schoko- und Marshmalloweiern im Supermarkt. Seit Wochen schon. Aber Schokolade ist hier entweder teuer oder nicht so besonders lecker. (Im Fall von Lindt in Südafrika trifft beides zu, aber das ist meine Meinung)

Am Wochenende war ich im Planetarium. Dort hat ein deutscher Astronom den Museumbesuchern den Sternenhimmel über Kapstadt gezeigt. Diese Deutschen sind hier wirklich überall. Naja, Kapstadt ist ja auch ein nettes Fleckchen Erde. Jedenfalls weiß ich jetzt etwas besser Bescheid über das Kreuz des Südens und warum man den Polarstern in der südlichen Hemisphäre nicht sehen kann.
Im ans Planetarium angeschlossene Museum konnte ich dann noch eine tolle Sonderausstellung zum Thema Universum und Leben bewundern. Die Geschichte des Universums und der Erde gestickt. Na, seht selbst:



In der Arbeit haben wir nochmal richtig Gas gegeben. Mike unser neuer Operations Manager hat sich alle Schulen angesehen und sie in Sachen „Was funktioniert?“ und  „Woran muss man noch arbeiten?“ bewertet. Er arbeitet echt wie ein Tier um SEED so richtig auf Fordermann zu bekommen.
Da weht ein neuer Wind durchs Rocklands-Büro.
Es tut sich was: Wir haben einen neuen PC und Laptop bekommen, haben das Büro ein wenig umgestellt (mal wieder... wir kommen schon noch zum perfekten Feng Shui!), die neue nursery (Jungpflanzenanzucht) soll nach Ostern stehen, ich bin gerade dabei unsere Samenbestände auf Keimfähigkeit zu testen und auszumisten, Shaun ist eifrig damit beschäftigt die Kompost-Area im Garten neu zu gestalten und alle bei SEED sind jetzt dabei unsere Arbeitsweise noch effizienter und effektiver zu machen. Vielleicht bekommen wir jetzt sogar einen Holzofen ins Büro, nachdem wir diese Woche schon ganz schön gefroren haben im Office.
Es fühlt sich mal wieder sehr gut an, wenn ich von der Arbeit heimkomme.
Vielleicht auch mit ein Grund, warum ich derzeit immer Punkt 6:30 aufwache und es gar nicht erwarten kann in die Arbeit zu fahren.

Strassenkunst in Kapstadt

Heute war ich mit Yoli unterwegs zur Scottsville High School. Diese Schule ist nicht nur ein ganzes Stück weg von Mitchell's Plain (fast 30min Fahrt) sie hat auch ein ganz besonderes Feature das wir bisher in noch keinem Garten haben: Rasta-Power.
Heute haben uns Ireginald und Abraham alias Abi mit ihrer ruhigen aber auch tatkräftigen Arbeit unterstützt. Ich habe die beiden schon bei unserem 5-Tages-Permaculture-Kurs kennengelernt. Als ich sie heute wiedergesehen habe war die Freude groß und wir haben uns in der üblich herzlichen Rasta-Art begrüßt. Ich mag die beiden sehr und finde es immer wieder interessant wie sie das Gespräch überraschend auf Ganja alias Marihuana richten. Man redet über etwas völlig anderes und plötzlich reden wir über Hanf. So habe ich heute erfahren dass die Rastagemeinde wohl gerade vor der UN den legalen Gebrauch von Ganja einklagen wollen.
Anyway, der Garten ist großartig. Eine ganz tolle Atmosphäre und die Schule ist tatkräftig am Helfen.
Weiter so Scottsville!

Die Arbeits-Woche war kurz und mündet in ein ganz besonderes Highlight über: Morgen kommen mich meine lieben Eltern besuchen. Nach nun mehr als 6 Monaten freue ich mich sehr sie wieder zu sehen und mit ihnen meinen Osterurlaub in den Winelands zu verbringen.
Wir sehen und lesen uns nach dem Urlaub wieder.

Sunday, 17 April 2011

Kulinarisches Kapstadt - Teil 1

An diesem Eintrag plane und überlege ich jetzt schon eine ganze Weile, denn der blog wäre nicht komplett ohne ihn. Meine Eindrücke und Erfahrungen mit dem kulinarischen Südafrika waren anfangs natürlich etwas deutlicher. Mittlerweile habe ich mich an viel gewöhnt. Dennoch gibt es immer noch Dinge die mich faszinieren oder die meine Ökoseele in schiere Panik versetzen. Nicht zuletzt soll der Eintrag meine Beobachtungen dokumentieren. Viel Spaß damit:

Wenn ich an Südafrika denke kommt mir unweigerlich Rooibostee in den Sinn. Tee der Buschmänner der zahlreiche Antioxidantien, dafür kein Koffein enthält, sooo gesund.
Dennoch hätte ich nicht gedacht, dass es hier keinen Tee ohne den unglaublich entwässernden rötlichen Tee gibt. Da ich in Deutschland sehr viel Kräutertee getrunken habe war es für mich schon eine Umstellung dass es hier zwar Fencheltee gibt, aber nur mit Rooibos. Pfefferminz ja, aber nur mit Rooibos. Lemongrastee ja, aber nur mit Rooibos. Aaaarrgh!!!
Anfangs hab ich noch brav Rooibos getrunken aber ich hatte den süßlich faden Geschmack schnell satt und ständig aufs Klo zu rennen wegen dem Tee war mir auch schnell zuwider, zumal ich mich richtig ausgetrocknet fühlte. Also bin ich hier erstmal komplett auf Schwarztee umgestiegen. Ab und an gönn ich mir nen Bio-Fenchel-Anis-Kümmel-Tee den Christoph mir aus Deutschland mitgebracht hat und auch ein echt japanischer Grüntee ist schonmal drin. Aber für Rooibos bin ich wohl für mein Leben verdorben. Den rühr ich nicht mehr an, egal wie gesund er ist!  

Es verwirrt mich als Deutsche immernoch, dass wenn man „black tea“ bestellt, man Rooibos ohne Milch bekommt. Will man dagegen schwarzen Tee, muss man nach „tea“ fragen. Der englische Einfluss ist an vielen Ecken zu erkennen.
Wo wir schon beim Tee sind: Wir trinken in der Arbeit wirklich viel Tee. Wir beginnen den Tag mit Tee und für manchen Zeitgenossen ersetzt der Tee schonmal eine Mahlzeit. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass viele der dunkelhäutigen Kollegen ihren Tee grundsätzlich mit 3 Löffeln Zucker trinken... egal wie klein die Tasse ist. Ich hab mal an einer solchen Mischung genippt und kann nur sagen ungenießbar für mich. Aber wenn's satt macht.

Und nochmal Getränke: Es ist in Südafrika nicht möglich reinen Saft zu bekommen. 100% Orangensaft? Vergiss es! Da ist immer Trauben-, Birnen- und/oder Apfelsaft beigemischt. In welchem Verhältnis variiert und wird daher nicht angegeben. Das mit dem und/oder kommt nicht von mir. Es ist tatsächlich so auf der Packung angegeben. Naja, Hauptsache es ist Saft drin, was?
Für meine Sinne ist es auch abgefahren dass den meisten Säften Geschmacks- und Farbstoffe beigemischt werden. Die besseren kommen ohne Zuckerzusatz aus. Über die Konservierungsstoffe wunder ich mich schon gar nicht mehr. Die gehören hier so selbstverständlich zu allem wie das Antibiotikum zum Arztbesuch.
Der einzige Saft den man hier pur bekommt ist Traubensaft.... und ab und an Apfelsaft. Und das in einem Land das selbst tonnenweise Orangen produziert und exportiert.

Meine eigene Saftmarke
 
Kommen wir zum deutschen Grundlebensmittel Brot:
„Brot“ ist hier Toastbrot, weiß und braun. Der billigste Laib kostet um die 6Rand und schrumpft in der Tasche auf halbe Größe zusammen, wenn man nen Apfel drauflegt. Bisschen übertrieben, aber das mit der halben Größe stimmt. Ich habe einige Monate braunen Toast gegessen, auch wenn man unnormal viele Scheiben essen muss bis man mal annähernd etwas wie Sättigung verspürt.
Es gibt aber auch anderes Brot wie Roggenbrot, selten auch mal Dinkelbrot. In einem Bioladen hat Patricia mal Sauerteigbrot gekauft. Wir waren richtig aufgeregt. Die Kruste war kross und der Laib sah einfach himmlisch lecker aus. Das Brot war allerdings derart sauer dass man nur wenige Bissen lecker findet. Naja, mit Nutella gings einigermaßen.
Dennoch, Brot ist wohl doch eher eine deutsche Leidenschaft.

Jedoch auch die Südafrikaner hegen eine kulinarische Leidenschaft: Chips
(Nicht zu verwechseln mit „Potatoe chips“, dicken, labbrig frittierte Kartoffelstiften aus denen man Teelöffelweise Öl pressen kann, fern mit unseren Pommes verwandt)
Chips sind in Südafrika eine ganze Mahlzeit. In den meisten Schulen sehe ich die Kinder nicht mit Pausenbrot oder gar Äpfeln sondern mit ner Tüte Chips rumrennen. Die Auswahl an Geschmacksrichtungen ist gigantisch. Ob geschmacksverstärker-gepimpter Maisstärke-papp oder Kartoffelchip, ob Chili-Cheese, Chicken, Steak, Vetkoek oder Chickenwing-Geschmack, hier darf sich die Chemieindustrie noch austoben! Und die Kinder stehen jede Pause Schlange für die kleinen bunten Tüten die meist über den Zaun verkauft werden und dann irgendwo im Garten landen. Ja, leider auch so etwas was das gärtnern hier manchmal etwas frustrierend macht: Die ständig wachsenden Müllberge. Das ist dann aber auch schon das einzige, was von alleine wächst.

Eine Schwäche haben die Südafrikaner auch für Hähnchen. Das Königreich wird natürlich vom Riesen KFC (Kentucky Fried Chicken) geführt, liebevoll einfach nur „Kentucky“ genannt. Den gibt’s an jeder Ecke. Besonders im township schätzt man den Amerikaner mit dem freundlichen Grinsen. Nebenbuhler wie Hungry Lion werden wohlwollend geduldet, wohingegen das große gelbe M sogut wie gar nicht vertreten ist. Hier liebt man Kentucky und zahlt dafür auch viel weniger als in Deutschland. Lang lebe das Frittierte!


Und wo wir schon bei Frittiertem sind: Beliebt ist auch Fish&Chips als leichter Mittagssnack. Fisch, meist Hake (Hecht) oder Snoek (sprich: Snuuk) in Teig frittiert und dazu die schon vorgestellten labbrigen Fettschwämme, äh Pommes. Wer sich fettarm ernähren möchte ist hier falsch, aber in den richtigen Läden schmeckt Fish&Chips schon wirklich lecker. Vor allem wenn man dabei aufs Meer schauen kann. Snoek ist hier der totale Renner und schmeckt wirklich erstklassig. Wer keinen Fisch mag, sollte vielleicht mal den probieren. Ob getrocknet, geräuchert, frittiert oder gegrillt, Snoek schmeckt awesome!
Snoek mit Chips

Eine weitere südafrikanische Spezialität ist Biltong, getrocknetes Fleisch. Im Supermarkt bekommt man meist getrocknetes Rind, selten auch mal Hühnchen, Kudu oder Strauss. Ob pur oder mit Gewürzen, als handliche Droewors (Trockenwurst) oder als ganzes Fleischstück, die Südafrikaner kauen gerne auf dem zähen Biltong rum. Hauptsache Halaal.

Da in Kapstadt viele Moslems leben ist das Thema Halaal hier sehr präsent. Man bekommt so gut wie alles in Halaalqualität, sogar Gelantine. (Die wird hier meist aus Rind hergestellt) Im Supermarkt ist das Schweinefleisch meist großzügig räumlich getrennt von Huhn und Rindfleisch und die meiste Wurst die man bekommt ist ebenfalls ohne Schweinefleisch hergestellt. Vielleicht bekommt deswegen hier so gut wie keine leckere Wurst.    
Das Angebot in den Supermärkten variiert hier sehr stark. Es gibt Supermärkte die keinen Filterkaffee verkaufen, sondern nur Löslichen. Man muss sich auch erst an die Eigenheit der Supermärkte hier gewöhnen, dass nicht immer alle Produkte im Regal stehen. Wenn man z.B. ein Fan von Erdbeermarmelade ist und im Regal nur noch ein Glas (oder Dose) steht ist man gut beraten es zu kaufen, denn wenn es weg ist kann es schon mal ein paar Tage, manchmal sogar Wochen dauert bis eine neue Lieferung reinkommt. Bis dahin ist Schicht im Schacht an der Erdbeermarmeladenfront.

Gelbwurst? Salami? Hauptsache Halaal!
 
Und ja, ihr habt richtig gelesen, hier kann man Marmelade oftmals in der Dose kaufen. Wer den metallischen Beigeschmack nicht mag muss halt umfüllen.
Die Vielfalt der Konservendosen ist in Südafrika gigantisch. Neben Marmelade gibt es auch eine wahnsinns Auswahl an Fertig- und halb fertigen Gerichten. Ob Tomaten mit Zwiebeln, Bohnen in Soße, Chakalaka, Curry, …...

Und heute wieder an der Dosenfront: Marmelade

Die Notwendigkeit für solche Produkte ist in Südafrika natürlich weitaus größer als in Deutschland. Landleben kann hier schonmal heißen, dass man kein fließend Wasser oder Strom hat. Und ohne Kühlschrank muss man eben auf Dosen und Getrocknetes zurückgreifen.   

Aber ich wohne in Kapstadt und da gibt es neben Frittiertem eine andere Leibspeise der Capetonians: Sushi.
Eine derart hohe Dichte an Sushilokalen sucht seinesgleichen. Nicht mal in Japan gibt es soviel Sushi. In den größeren Supermärkte der Stadt werden die begehrten kleinen Röllchen sogar frisch vor dem Augen der Kunden zubereitet und dann abgepackt verkauft.
Natürlich ist die Qualität für jemanden der echt japanisches Sushi gekostet hat weit weniger raffiniert, aber man „bringt's nunter“ wie meine schwäbische Zimmergenossin Patricia zu sagen pflegt. Man darf nur nicht vergessen „ohne Mayonnaise“ zu bestellen, sonst sucht man vergeblich sein Sushi unter dem blassgelben Cholesterinberg.
Nichtsdestotrotz freue ich mich über den Sushiboom hier, da es dadurch sehr einfach ist  an die echte Kikkoman Soyasoße zu kommen. (Übrigens in Singapur gebraut für die die an Deteils interessiert sind)

To be continued...

Herbst oder nicht Herbst, das ist hier die Frage

17. April

Da ich noch nie ein ganzes Jahr in einem anderen Land verbracht habe, habe ich natürlich keinerlei Erfahrung damit wie es sich mit den Jahreszeiten in Südafrika verhält. Ich weiß soviel, dass Kapstadt eine Winterregenzeit hat aber bislang scheint sie noch nicht begonnen zu haben. Wir hatten einen langen und trockenen Sommer. Seit ich angekommen bin hat es höchstens vier mal geregnet. Da ist es kein Wunder dass die ganze Gegend so ausgedörrt ist. Jetzt im April merkt man langsam, dass wir nicht mehr wirklich Sommer haben. Es ist z.B. schon wieder stockdunkel um 19:00, das Licht ist weicher und die Lufttemperatur liegt bei angenehmen 23°C. Im Schatten ist es dank es Windes etwas kühl aber die Sonne hat immer noch die Kraft einem den Pelz zu verbrennen.

Kahle Pflanzen nach einem Buschbrand

Witzigerweise kam diese Woche jemand zu uns in die Arbeit und hat gefragt ob wir seiner Frau einer Lehrerin helfen könnten den Kindern in ihrer Klasse den Herbst etwas greifbarer zu machen. Tjo, in Deutschland wäre das kein Problem für mich. Da kann man den Herbst ja nicht übersehen, aber in Kapstadt? Die Blätter hängen noch alle grün am Baum (Außer bei den Platanen die man in den wohlhabenden Vororten gerne mal als Straßenbaum sieht. Die werfen tatsächlich gerade das Laub ab. Sind halt nicht heimisch hier und pflegen „ihre Kultur“. Anyway, wir sind in Mitchell's Plain und da gibt’s keine Platanen.), Wind weht das ganze Jahr, weshalb man das ganze Jahr über Drachen steigen lassen kann, Früchte wie Äpfel und Trauben sind schon lange geerntet und die Vögel fliegen hier soweit ich weiß nicht in ein Winterquartier

Reiche Ernte ueber Monate hinweg

Ja, es ist schon etwas seltsam mit den Jahreszeiten hier. Seit ich angekommen bin blühen Lavendel und Holunder. Beeren gibt es trotzdem nie, weil sie entweder abfallen bevor sie reifen, oder von den Vögeln gefressen werden. Die natürliche Vegetation ist von der lang anhaltenden Trockenheit geprägt und wartet wohl regelrecht auf den Regen. Alles andere scheint wenig Einfluss zu haben.

Die Südafrikaner sagen selbst, dass sie keinen Herbst und auch keinen Frühling haben. Es ist entweder Sommer (heiß und trocken) oder Winter (kühl und nass). 

Devils Peak in Herbststimmung?

Auch die christlichen Feiertage kommen mir hier etwas künstlich und fehl am Platz vor. Weihnachten mit seinem schweren, festlichen Essen ist im Sommer irgendwie fehl am Platz und auch Ostern das ich mit Auferstehung und Erwachen der Natur aus dem Winter verbinde kommt mir im Herbst seltsam vor.
Ja, ich vermisse meine Jahreszeiten ein bisschen. Erstaunlich wie so vieles was auf der Nordhalbkugel ganz natürlich ist, auf der Südhalbkugel nicht so recht passen will. Scheint in der Mothercity aber niemanden zu stören, wie so vieles.

Weihnachten an der Waterfront

Sunday, 10 April 2011

Verschiedene Kulturen

10. April

Diese Woche waren Schulferien, Frühlingsferien. Bood hatte frei aber wir Freiwilligen standen trotzdem alle auf der Matte. Diese Woche waren wir 5 Freiwillige. Da sind die „Langzeitfreiwilligen“ Nadine, Valerie und ich, Svenja (alles Deutsche) und Olivia aus USA.
Kleines Stilleben aus dem Garten

Ohne den Bood-Bus kamen wir alle mit dem Minibistaxi nach Mitchell's Plain. Am ersten Morgen hat der Fahrer zweimal nachgefragt als wir eingestiegen sind, ob wir auch sicher sind was unser Fahrziel angeht. Es gibt nicht viele Weiße die nach MP in die Arbeit fahren.
Wenn man ein Minibustaxi anhält, weiß man nie was man bekommt. Oft ist es ganz angenehm und ich lese während der Fahrt, aber diese Woche hatten wir auch ein zwei mal Taxis dabei wo mir wirklich Angst und Bang wurde angesichts der Fahrweise. Immer mit Vollgas versteht sich von selbst aber manchmal schauen die Fahrer noch nicht mal auf den Verkehr. Da wird dann nach hinten geguckt, wenn man nach vorne anfährt (wieder Vollgas versteht sich) oder die Spuren werden wie im Actionfilm gewechselt. Jede noch so kleine Lücke wird ausgenutzt. Vorne knapp, hinten knapp, egal! „Arrive alive“ kann man da nur beten. Das andere Extrem ist, wenn die Taxis durch die Gegend zuckeln immer auf der Suche nach weiteren Mitfahrern. Da kann man dann schonmal 15min irgendwo rumstehen und sich genervt die vergeblichen Schreie der Dooroperator anhören „Caaaape Tee-ooooowwwn!“

Nicht ganz spaßig ist es auch, wenn der Fahrer den Bus zum persönlichen Dance-Club erklärt. Da wird dann die Mukke bis zur Schmerzgrenze hochgedreht. Selbstredend dass Techno gespielt wird. Und wer hätts gedacht, man kann alles in ne Technoversion verwandeln, selbst Kuschelrock. Das grenzt an Körperverletzung, wenn einen Whitney Housten dir mit „Iiiiiii will always loooooove youuuuuu!“ das Gehör wegträllert und die Busverkleidung dir an den Arm wummert.   
Auch wenn die Fahrt zur Arbeit mit dem Minibus mehr als doppelt so lange dauert als mit dem Bood-Bus, so genoß ich es doch jeden Tag über den Markt vom Town Center zu schlendern. Die Lebensmittel sind soviel billiger als in Observatory und es gibt immer Leckerein zum Mitnehmen. Ob Samosas, in Zuckersirup gebackene Donuts oder frisches Obst alles superlecker und für ein paar cent zu haben.

In der Arbeit fand diese Woche ein Permaculture-Kurs für Lehrer und Interessierte statt. Alex, die wir schon in Berg-en-Dal kennen und lieben gelernt haben, leitete zusammen mit Yoli und Mzu den Kurs. Und die Kursteilnehmer waren wirklich eine witzige, bunte Truppe: Lehrer, eine Freiwillige aus Deutschland, die an einer Waldorfschule hier arbeitet, ein paar Studenten von der UCT (University of Cape Town), ein paar Community-Members, unser Caretaker von Rocklands Primary, ein paar Rastas und eine Dame die in einer Schule für Behinderte arbeitet. Es war wirklich schön anzusehen.

In der Kennenlernrunde mussten wir alle drei Dinge zeichnen, die uns persönlich wichtig sind. Ich fand sehr spannend, dass die Menschen in den jeweiligen kulturellen Gruppen sehr ähnliche Sachen gemalt haben. Die meisten Schwarzen malten sehr allgemeine Dinge wie Natur, Sonne, Regen, Familie, Essen usw. Viele der Coloureds hatten die Religion, Familie und Natur. Die Rastas hatten oft etwas das mit der globalen Familie und dem Planeten als Ganzen zusammenhängt. Und wir Weißen hatten alle recht individuelle Dinge wie Sport, Hund, Musik, aber auch Familie und Natur.


Volunteers bei der Arbeit

Außer der Einführung nahmen wir allerdings nicht am Kurs Teil.
Da demnächst wieder Markt ist waren wir emsig damit beschäftigt unsere Produkte wie das Miracle Ointment oder die Marmelade herzustellen. Das hat vor allem Nadine in die Hand genommen. Ich war überall ein bisschen beteiligt. Nicht zuletzt half ich Shaun dabei Gärtner zu werden. Er ist nicht aus dem Bereich aber sehr wissbegierig und arbeitswütig. Shaun ist nicht groß aber hat ne große Klappe. Wie ein kleiner bissiger Hund. Da er jetzt mit seiner Familie in der Schule wohnt (Mr. P hat ihm ein Klassenzimmer als Wohnung gegeben. Im Gegenzug passt Shaun auf die Schule auf) hat er sich auch wieder einen Hund zugelegt. Deutscher Schäferhund namens Cesar. Zum knuddln, knurrt aber auch schnell, was aber ok ist. Soll ja schließlich ein Wachhund sein.

Shaun bei der Arbeit. Heute: Engerlingessen

Jaja, es tut sich wie immer viel bei SEED.
Ab und an stellt sich ein bisschen Wehmut bei mir ein, denn jetzt habe ich den Punkt erreicht wo meine Zeit rückwärts läuft. Bin in der zweiten Halbzeit.
Ob die Zeit schneller vergeht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass hier unglaublich viel passiert. Zumindest kommt es mir so vor.
Und ich liebe es!  

Friday, 25 March 2011

KW 12 Teil 2

KW 12
Teil 2

Donnerstag.
Der Tag fing ganz normal an. Bood hatte noch im Auto ein bisschen mit unseren Muffi-Namen geblödelt (setzt sich zusammen aus dem Namen des ersten Haustiers das man hatte und dem Mädchenname der Mutter. Demnach war ich Hoppel Zant, Nadine Ronja Oehler und Bood Chinky Kelly). Rex Cupido alias Shaun half uns beim Einladen und wir wollten gerade fahren als Bood die zwei Typen außerhalb des Schulzauns sah, die gerade einen Motorradfahrer vermöbelten. Sie rissen ihm den Helm vom Kopf und schlugen ihn mit voller Wucht ins Gesicht. Bood ist sofort in die Schule und hat den Principal der Rocklands Primary, Mr. Pretorius, gebeten die Polizei zu benachrichtigen. Dann wollte er mit unserem Bakkie vorbeifahren und unauffällig die Nummer auf dem Nummernschild notieren. Ich hätte das auch unauffällig gemacht aber irgendwie hatte Bood auf einmal die Idee, dass er davon ein Foto haben wollte. Die Typen zogen gerade ab und wir fuhren an ihnen vorbei als Bood das Fenster runter kurbelt und ein Foto macht.  Da haben die Typen blitzschnell umgedreht und uns verfolgt, aufgeblinkt wie blöd und als wir nicht reagiert haben sind sie mit aufheulendem Motor an unsere rechte Seite geprescht und wollten dass wir links ran fahren. Sie seien Cops und wollten das Foto. Die Polizeimarke blinkte kurz auf. Bood hat sich geweigert und gemeint dass er zurück zur Schule fährt, weil er den Typen nicht traut. 

Zurück an der Schule gabs dann erst mal ein heftiges Wortgefecht. Mr. P, wie Mr. Pretorius auch genannt wird kam sofort aus der Schule und bezeugte dass auch er gesehen habe wie die zwei Polizisten den Motorradfahrer fertig  gemacht hätten. Nach einigem hin und her („Löschen sie das Foto!“ „Nein!“) kam die Polizei, die uniformierte Polizei angerauscht. Heraus hüpften wenigstens 5 Polizisten in voller Montur, Kugelsicherer Weste, Schusswaffen und Hockeyschlägern.... Hockeyschläger???!!!!
Jetzt kam auch Shaun dazu und hat sich ruhig vor den Cops aufgebaut.

Eine seltsame Szene. Da stehen diese zwei Schlägercops (angeblich Detectives aus Claremont) in ihren blitzenden Lackschuhen und Designerkrawatten (Schusswaffe am Gürtel) vor uns und drohen Bood. Sie hätten den Motorradfahrer nur zur Rechenschaft gezogen, weil der sie beschimpft hat und ihnen den Mittelfinger gezeigt hat. Die Polizei in Kampfmontur hatten einen Autodiebstahl vermutet und guckten jetzt etwas enttäuscht, dass es sich „nur“ darum handelte. Bood kicherte neben mir nervös vor sich hin. Mr. P stand ruhig wie ein Fels rechts neben uns und bezeugte immer wieder, dass er und viele andere Menschen die zwei gesehen haben, wie sie vor seiner Schule ihre Macht missbrauchten und den Jungen geschlagen haben. Zu unserer Linken stand ebenso ruhig Shaun. Mit seiner schwarzen Wollmütze und dem blutunterlaufenem Auge sah er wohl eher wie die typische Kundschaft der Polizei aus.

Die Polizei rückte mit den Worten „Ach, war doch nur ein Missverständnis“ ab, die beiden Detectives setzten noch einmal vergeblich zu einem Einschüchterungsversuch an, notierten sich die Nummer vom SEED-Bakkie und zogen dann mit quietschenden Reifen von Dannen. Bood war völlig fertig und brauchte erst mal einen Tee auf den Schreck. Eigentlich hätte er einen Schnaps gebraucht, wir beide. Wir setzen ihn auf die Einkaufsliste.
Da Boods Kamera noch im Bakkie war bin ich mit Rückendeckung von Mr. P raus und hab erst mal alle Wertsachen aus dem Bakkie geholt. Mir war nicht ganz wohl, da ich auf dem Parkplatz ein Auto wie das der Cops sah mit zwei dunklen Köpfen darin. Schnell schnell Zeug holen und wieder rein in die sichere Schule.

Mr. P nahm mich erst mal in den Arm und meinte lächelnd zu mir „Das war heute eine schwere Lektion über Südafrika, was? Genau aus diesem Grund sollten sie nach diesem Jahr auch wieder nach Deutschland zurückkehren.“

Mr. P hat mir noch so einiges aus seinem Leben erzählt, wie korrupt die Polizei ist und wie selten Zivilcourage ist. Viele gucken lieber weg und wollen nicht in den Ärger mit hineingezogen werden. Zumal Ärger in Südafrika wahnsinnig schnell lebensbedrohlich werden kann. Alle, Mr. P, Bood und Shaun meinten dass die Cops den Motorradfahrer durchaus hätten erschießen können, wenn die Situation sich aufgeschaukelt hätte. Waffen haben sie ja. 
Die Kinder, so Mr. P, reagieren schon gar nicht mehr geschockt auf Schlägereien. Sie seien abgestumpft und zeigen kein Interesse, wenn es mal Konflikte gibt. Schutzmechanismus. Die Statistik über Kriminalität und Korruption in Südafrika sei hier in Mitchells Plain am Leben.

Was mich an dem ganzen Vorfall überrascht hat, war meine eigene Reaktion darauf. Ich war natürlich nervös bei all den Emotionen und Aggressionen, die da ausgetauscht wurden, aber ich muss gestehen so richtig Angst hatte ich nicht. Warum weiß ich auch nicht. Vielleicht weil ich mich sicher in der Anwesenheit von Bood gefühlt habe, vielleicht wusste ich auch einfach nichts anzufangen mit der ganzen Situation. Ich stand irgendwie daneben und habe beobachtet. Vielleicht habe ich mich auch einfach aus der Verantwortung gezogen. Kopf einziehen? o.O
Ich habe in jedem Fall sehr sehr viel Respekt vor dem Mut, den Bood und Mr. P heute gezeigt haben diese Sache nicht einfach zu ignorieren, sondern mit dem Finger drauf zu zeigen. Wenn die Polizei in Südafrika um ein besseres Image bemüht ist, sollten sie solche Sachen ernster nehmen als es die Polizei von Mitchells Plain heute leider getan hat.

Die Junge Generation muss aufraeumen

Um dem Tag noch das besondere Extra zu geben hat sich einer der Arbeiter beim Pferdestall, wo wir immer unseren Mist holen, dazu entschlossen eine wohlbekannte und immer wieder nervige Platte abzuspielen:
„Wie heißt du nochmal? Monika... Ein schöner Name. Du bis hübsch Monika... sehr hübsch. Und du hast einen Freund in Deutschland? Hm, das ist doch sehr weit weg. Du brauchst auch einen Freund in Südafrika. Wie wärs?“
Er kam dabei so nahe dass ich es schon sehr aufdringlich fand. Als ich ihm den Ring gezeigt und mein Desinteresse bekundet habe, hat er schnell aufgegeben. Zum Glück. Ich war froh, dass Bood in der Nähe war. Just in case.

Sorry Stalljunge, ich hab meinen Prinzen

Aber hey, wollten wir nicht eigentlich zur Schule? An diesem Donnerstag waren wir in Gugs, alias Guguletu an der Fezeka Highschool. Das witzige an der Schule ist, dass der Garten an einer vielbelaufenen Straße liegt und man eigentlich alle Nase lang mit jemandem Quatschen muss. Jedes Kind bleibt wie angewurzelt am Zaun stehen und brüllt erst mal ungläubig „uMlungu!!!“ („Weiße!“) und probiert dann ein paar Brocken englisch zu sprechen.
Als wir gerade das Loch für die Bananengrube ausgehoben hatten kam ein Mann mit seinem Woolworth-Einkaufswagen am Zaun entlanggerattert der uns interessiert beobachtete. Sein orangenes Diesel T-Shirt war mit großem Aufwand gleichmäßig zerlöchert worden, genau wie sein schwarzer Filzhut den eine paar weiße Plastik-Blumen zierten. Er lächelte uns mit seinen wenigen schwarzen Stümpfen im ansonsten zahnlosen Mund an und fragte uns dann was wir hier machten. Er klang intelligent. Etwas verrückt, aber intelligent. Als wir es ihm erklärten meinte er energisch, dass in Gugs keine Bananen wachsen, Er sei 63 Jahre und kenne den Grund auf dem die Schule stehe. Das sei vor 50 Jahren ein Schrottplatz gewesen. Der Boden sei nichts wert. Und er habe immerhin einige Jahrzehnte als Gärtner gearbeitet, unter anderem in den Weinbergen von Stellenbosch. Er malte uns mit seinen Crocs im Sand auf, was die einzige Möglichkeit wäre um hier irgendwas anzubauen. 
Er brachte Bood damit auf die Idee die gesamte Bananengrube mit Zeitungspapier auszulegen und so eine Art Papiertopf zu machen in dem sich die Nährstoffe halten. Also tapezierten wir die gesamte Bananenspirale mit der Cape Argus: „Minibus mit 35 Kindern vollgeszwängt“ (Ein Minibus hat offiziell ca. 15 Sitzplätze und keine Stehplätze).

Zurück im Office waren Bood und ich uns einig: Dieser Tag verlangt nach einem Schnaps!
Ein Schnaps ist es bei mir nicht geworden, dafür eine Tafel Nussschokolade. Die beruhigt auch.

KW 12 Teil 1

KW 12!

Was für eine Woche! 
So ereignisreich, dass ich zwei Einträge draus gemacht habe.
Sie fing unglaublich gut an mit dem Human Rights Day. Feiertag und damit frei. Wir haben einen wahnsinnig schönen Tag bei Birgit unserer Mentorin verbracht. Gemeinsam Yoga machen, im Pool schwimmen und dann gemeinsam kochen und essen. Ein sehr gelungener Tag also.

Dienstag fielen Bood und ich dann erstmal in ein gewaltiges Stimmungstief. Die Schule an der wir waren ist schwer zu betreuen. Der Standort ist unglaublich exponiert, windig und sandig. Eigentlich nichts Neues in den Cape Flats, aber ein noch viel größeres Hindernis sind die Menschen dort. Der Reihe nach.
Der Garten hat ein Wasserproblem. Aus irgendeinem Grund ist das Wasser das in den Garten gepumpt wird orange. Das sieht vor allem an den Pflanzen sehr unappetitlich aus, die alle einen orangen Überzug haben. Wer will schon solches Gemüse essen. SEED hat eine Laboranalyse an dem Wasser durchführen lassen. Das Ergebnis lautete ganz lapidar „Das Wasser ist salzig“. Ich fühl mich nicht wirklich schlauer.
Bood wollte jedenfalls das Wasserproblem ganz neu angehen und hat einen Kanal von der Dachrinne bis zum Garten gegraben. Regenwasser ist sauber. Er nennt es den „River“.
Außerdem will er dem kargen Boden mit Trenchbeds beikommen. Trenchbeds sind knietief ausgehobene Beete, die mit organischem Material gefüllt werden. Oben auf wird dann gepflanzt. Im Grunde so als würde man auf einem Komposthaufen pflanzen. In einigen seiner Schulen hat das schon wunderbar geklappt und sie können die tollsten Ernten einfahren.

Als wir diesen Dienstag allerdings nach Delft kamen war der River mit Müll und Kompost gefüllt. Bis oben hin. Das Trenchbed dagegen war nicht gefüllt. Schlimmer noch. Der Mann der eigentlich den Garten wässern soll hat mal eben seinen eigenen Garten neben unseren angelegt.... mit unseren mühsam angeschleppten Materialien. Er meinte er fänd einen Blumengarten ganz nett. Ja, das finden wir an sich auch, aber nicht wenn er die Ressourcen die für den Gemüsegarten der Schule gedacht sind dafür verwendet. Bood war außer sich. „Der nimmt UNSEREN Kompost, UNSEREN Mulch und UNSER Holz um seinen total überdimensionierten Garten hier anzulegen!“
Putzig war auch, dass „der Gärtner der Schule“ zwei Wochen vorher eine ganze Reihe Windschutzhecken einfach mal rausgerissen hat. Waren wohl seinen Blumen im Weg, die 10 Meter entfernt stehen. Natürlich hat sich Bood darüber aufgeregt und ihm mal vorgerechnet welchen Wert die Pflanzen hatten die er da so feinsäuberlich auf einen Haufen geworfen hat (ca. 500Rand, was sehr viel Geld ist hier).
Als wir diese Woche ankamen waren die toten Pflanzen jedenfalls alle mindestens genauso feinsäuberlich wieder in einer Reihe aufgepflanzt. Zwar alle gut 30cm zu tief und manchmal auch nur vertrocknete wurzellose Stöcke aber wer weiß? Vielleicht geschieht ein Belebungswunder in Delft.

Der Garten war einfach nur frustrierend und man wusste gar nicht wo man anfangen sollte. Aber zu allem Überfluss fühle ich mich auch von den Menschen her nicht wohl dort. Die Kinder kommen mir viel aggressiver vor als an anderen Schulen, schlagen sich dauernd und werfen mit Steinen. Sogar nach Bood hat ein Junge einen Stein geworfen. Auch die Präsenz von Drogen dort ist unglaublich. Auf der Straße neben dem Garten wankte irgendwann ein Typ vorbei der mit sich selbst sprach und dabei ständig kicherte. Alle Leute um uns herum haben ihn ausgelacht und die Kinder haben mal eben erzählt dass der Typ auf Tick (= Crystal Meth) ist. Im Anschluss haben sie uns auch gleich noch über Details wie dem derzeitigen Tick-Preis und die Wirkungsdauer der Droge aufgeklärt. Es ist erschreckend dass 10-jährige so viel über Tick wissen, aber keine Petersilie kennen. Wir haben gemutmaßt ob vielleicht auch der „Blumengärtner“ nicht ganz clean ist.

Naja, to make a long story short, Der Dienstag war absolut frustrierend. Bood möchte die Schule am liebsten aufgeben, da auch die Lehrer kein großes Interesse am Garten zeigen.



Mittwoch wurden wir dafür mit einer absoluten Traumschule belohnt in der wir eine Bananengrube gebaut haben. Der Schulgarten quoll förmlich über von Pflanzen. Natürlich war auch hier viel Unkraut dabei, aber da bin ich schon gar nicht mehr so penibel, Hauptsache es grünt und blüht. Und das hat es. Überall sind Kirschtomaten aufgegangen und die Erdbeeren bahnen sich ihren Weg durch den gesamten Garten. Eine grüne Oase in Mitchells Plain. Und der Principal (Direktor) war überaus begeistert von unserer Bananengrubenidee. Er unterstützt unsere Pläne und das ist immer eine gute Sache. Zudem hat uns die Schule einen Lehrer an die Seite gestellt, der ausschließlich uns helfen soll, wenn wir da sind. Sein Name ist Charles, er ist aus Zimbabwe und ein wahres Goldstück. Sympathisch, wissbegierig und arbeitswillig stand er uns mit seiner unglaublich angenehmen ruhigen Art zur Seite.

Wir hatten gerade ausgeladen, da brachte uns der Principal 7 ganz offensichtlich aufmüpfige Teenager vorbei, die helfen sollten. Ich bin sicher dass sie was ausgefressen haben und er wollte sie mit der Arbeit bestrafen. Sie waren entsprechend motiviert und wollten nicht so recht in die Puschen kommen. Statt dessen haben sie sich lautstark beschwert, als ich ihnen erklärt habe, dass sie erstmal ein Loch graben müssten. Das haben sie dann doch ganz ordentlich gemacht und irgendwie wurden sie immer leiser und aufmerksamer als die Spirale so langsam Gestalt annahm. Und die, die zuerst am lautesten protestiert hatten waren es plötzlich, die am meisten mitgeholfen haben. Zuletzt hatten wir eine sehr reich bepflanzte Bananapit, die ganz anders aussah als die, die wir die Woche davor gebaut hatten. So ist das irgendwie. „Jede Schule ist ein eigenes Kunstprojekt“ wie Bood immer sagt.

Monday, 21 March 2011

Ups and Downs

Wieder ist eine Woche voller Ereignisse vorbei.
Eine Woche in der ich meinen USB-Stick verloren habe an dem leider ein Mitbringsel aus Japan von Wolfgang dran hing. Der Stick war nicht so besonders, aber um den Anhänger tuts mir leid.

Anfang der Woche streikten die Minibus Taxifahrer. Warum weiß ich nicht so genau, denn ich habe mindestens 2 Versionen gehört. Die eine hatte mit einer geplanten Reform des öffentlichen Transportsystems, die andere mit sich häufenden Polizeikontrollen zu tun. Wie auch immer. Wer denkt Streiks laufen hier so ab wie in Deutschland ist natürlich falsch gewickelt. Die Streiks haben in einigen townships zu heftigen Unruhen geführt. Steine werfen, Leute umrennen und Autos anzünden stand an der Tagesordnung. So konnten einige von meinen Mitbewohnern Anfang der Woche nicht zur Arbeit, weil es zu noch zu unruhig war. Auch ich habe am Freitag noch ein ausgebranntes Auto in Philipi gesehen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell hier Situation in Richtung Gewalt eskalieren. Es braucht nicht viel, schon werden die Fäuste geballt. Und damit meine ich nicht den ANC-Gruß.

In der Springdale Primary in Lentegeur haben wir an unserm „Großprojekt“ Windmoon gearbeitet. Da der Wind dort an manchen Tagen so extrem pfeift dass man im Garten ge-sandstrahlt wird  haben wir angefangen stabilere Windschutzmauern zu bauen. Ja, selbst die Pflanzen haben Probleme anzuwachsen, wenn der Wind soooo extrem bläst. Also bauen wir jetzt aus alten Reifen und Sand Mauern in Halbmondform und pflanzen in die Mitte je einen Obstbaum. Es ist harte Arbeit für alle beteiligten. Die Kinder schaufeln Tonnen von Sand in die Reifen und wir SEEDlinge haben alle Hände voll zu tun aufzupassen, dass sie das auch machen und sich nicht streiten oder verletzen. Nein, mal ehrlich, die kids in Springdale sind super und arbeiten unglaublich ambitioniert mit. Man muss nur manchmal die Energien in die richtige Richtung lenken. … und mit dem Krach auskommen. Ja, 50 Kinder können einen ganz schönen Krach veranstalten und ich weiß nicht wie oft „Auntie“ (Tantchen) schreien. So nennen sie jeden Erwachsenen dessen Namen sie nicht kennen. Männer sind natürlich „Uncles“ aber im Fall von Bood rufen sie immer „Mister Bood“ bis es sogar ihn zur Weißglut bringt.

Reifen und Kinder im Ueberfluss
 
Auf jeden Fall sehen unsere Windmoons die wir dann noch schön bepflanzen unglaublich toll aus und bieten dem Wind erstmal besser Widerstand als Hecken.
In dem Zusammenhang habe ich mich gefragt wo die ganzen Reifen herkommen, die wir hier alle kostenlos zusammenklauben. Oder mal wieder andersherum: Was passiert mit den ganzen alten Reifen in Deutschland? Wo sind die tausende von Reifen aus denen mal soviel tolles bauen kann? Bood hat erzählt dass in Mitchells Plain eine Familie sogar ein ganzes Haus aus Reifen gebaut hat. Aber weil sie mit Tick und anderen Drogen gehandelt haben wurden sie und das Haus von den „Officials“ entfernt. Schade, das Haus hätte ich gerne gesehen. Isoliert bestimmt gut so ein Reifen.

Reifen auslegen und graben

Der Baum zeigt die Hauptwindrichtung an.



Schoen mit Windbreakern bepflanzen.

Olivenbaeumchen hinter die Reifen pflanzen, fertig

Am Freitag kam Shaun mit seiner Frau Shannon vorbei. Er sah viel besser aus und konnte wieder aus beiden Augen sehen, aber dafür ist gerade eine Gesichtshälfte etwas unbeweglich. Eingeklemmter Nerv. Ein Arzt hat ihm eine doppelte Schädelfraktur diagnostiziert und demnächst wird er auch operiert. Welch Glück. Seine Frau Shannon die dabei war konnte ich auch mal etwas besser kennenlernen. Sie hat Krebs und ich bewundere ihren Optimismus und ihre positive Ausstrahlung sehr. Es macht einen sehr starken Eindruck auf mich, wenn ich so starken Persönlichkeiten treffe, die es so so viel härter im Leben haben als ich. Und ich höre sie nicht jammern. Dabei hätten sie allen Grund dazu. Immerhin jammert unsereiner wegen viel weniger gravierenden Dingen. Puh, Moni, nimm dir mal ein Beispiel!

Ende der Woche wurde es nochmal richtig heiß. So heiß, dass Bood und ich Freitag Mittag auf ne kurze Abkühlung ans Meer gefahren sind. Ist ja nur um die Ecke. Vergisst man gerne mal im Alltag von Mitchells Plain.
Auch am Samstag lagen wir größtenteils nur am Strand von Fishhoek und ließen uns den kühlen Wind um die Nasen blasen. Dort habe ich an einer Gemeinschaftsmeditation für Japan teilgenommen. Ich habe über das Internet davon erfahren und war sofort begeistert, auch wenn ich niemanden von den anderen Teilnehmern gesehen habe. Aber ich glaube an die Kraft der Gedanken und so bin ich froh wenigsten diesen kleinen Beitrag geleistet zu haben.

Am Abend sind wir dann wieder auf das „andere“ Südafrika gestoßen auf dem Cape Town Carnival. Es ist ein bisschen wie ich mir den Karneval in Rio vorstelle mit kapstädter Einfärbung natürlich. So war die Parade von lebensgroßen Tieren Südafrikas aus Moosgummi angeführt. Sehr beeindruckend die Bewegungen. Es durften sich die verschiedenen Kulturen Südafrikas genauso präsentieren wie die Schwulenszene, der Harley Club und tanzfreudige ältere Damen. 

Hauros wandelndes Schloss ist gerade in Cape Town

Es war sehr schön anzusehen auch wenn ich mich bei solchen Events immer etwas seltsam fühle. Mein Arbeitsalltag ist von Armut und Improvisation geprägt, nicht von dem Überfluss und Reichtum den Cape Town sich so leistet. Ja, noch immer plättet mich der Kontrast und ich glaube nicht dass das je anders sein wird.


Ein bisschen Rio

Der Chickenman. Eine Homage an KFC?


 


Kudu in Moosgummi. Tolle Bewegung

Jellyfische...


... und andere Gestalten zogen durch die Stadt

Aber an jenem Abend haben Patricia, Anna und ich noch eine ganz besondere Erfahrung machen dürfen. Nach dem Umzug mussten wir irgendwie heim kommen und durch die ganzen Menschen die sich wie wir die Parade angesehen hatten waren kaum Taxis auszumachen. Es fuhren sogar vereinzelt Minibus Taxis und obwohl wir von unseren Mentoren aufs Strengste davor gewarnt wurden bei Dunkelheit Minibus zu fahren haben wir einfach mal eins gefragt ob es uns mit nach Obz nimmt. Der Fahrer wollte nicht. Er fahre woanders hin. Aber im Bus saßen schon drei big Mamas und haben den Fahrer erstmal herb in Afrikaans angemault, dass er uns da doch absetzen kann. Gegen Mamas kommt man nicht an, also hat der Fahrer schnell klein bei gegeben und so sind wir im Schutz der Mamas von Afrika bei Nacht im Minibus gelandet. Als er uns an der Main Road rausgelassen hat wollten die Mamas noch einmal besorgt wissen ob wirs noch weit haben, ob wir sicher sind. Wir drei haben ganz selbstsicher gesagt, dass es ok ist und waren uns in einer Sache tatsächlich sicher: Der Minibus hätte uns bis vor die Haustür gefahren, wenn wir etwas anderes gesagt hätten.
This is africa!

Die Maedels haben das im Griff!